Leben

Champagner in Stockholm! …und über den Kontakt zu dir selbst

4. Januar 2016
Wie du es schaffst Herrin der Lage zu bleiben

Auftakt!
Zum frohen neuen Jahr.

Die Feierlichkeiten erschöpfen sich so ganz langsam, träge dreht sich die Uhr gen Alltagsstart ins neue Jahr.
So ganz möchtest du noch nicht an all das denken, was dich wieder erwartet.
Doch während du die Weihnachtsgans zubereitet hast, die Geschenke für die Kinder, die Bowle für die Gäste, die Wunderkerzen für die Nachbarn: so recht hast du an gar nichts gedacht. Nein, schlimmer, du hast gedacht du tust irgendwie überhaupt nichts! Du bist müde, faul, hängst im Seil.
Welch ein Irrtum! In dieser Auszeit, diesem Mäandern zwischen den Jahren, in all diesem Einpinseln, Auswickeln und Beglückwünschen hast du dir erlaubt, einfach mal kurz auf „Pause“ zu drücken.
Und während du träge im Nichts herumspazierst, herrscht in deinem Inneren geschäftige Aktivität! Du merkst davon nicht viel, höchstens ein wenig Müdigkeit, Stimmungsschwankungen oder den ein oder anderen Gedankenfetzen, den du nicht zuordnen kannst.
Was da los ist? Ganz einfach: du sammelst dich! Das vergangene Jahr wird sortiert und abgeheftet. Das Fazit gezogen, die take home message herausgearbeitet. Klasse, was du alles kannst ohne es zu merken!

Während der Feiertage, die wir genießen oder auch bloß irgendwie hinter uns bringen, ist üblicherweise die Hölle los.
Wir erwarten Familie oder sind selbst zu Gast.
Der Kindergarten hat geschlossen, und der Mann schwirrt auch den ganzen Tag um dich herum. Alle wollen was, sind müde, Brio-Bahn und Technik-Spielzeug (von Groß und Klein!) schwirren um dich herum. Ohne Pause.
Abends, wenn alle endlich schlafen, räumst du die letzten Weingläser weg, und trotzt dem Tag fünf Minuten ab, in denen du nur dir selbst gehörst.
Auszeit – ein kurzer Moment der Ruhe auf dem Sofa, der Tannenbaum leuchtet, du genießt die Stille, hast einen Moment Zeit und Muße für Innenschau bevor du in die Federn fällst.

 

Champagner in Stockholm! …und über den Kontakt zu dir selbst

Weihnachtstrubel

 

Wir alle kennen diese Momente: um dich herum summt und braust das volle Leben. Da sind Freunde, Familie oder die halbe Welt zugegen. Wunderbar! Wir feiern!

Doch mit der Zeit wird es irgendwie nebelig in deinem Kopf, die Konturen der Situationen verschwimmen, du weißt nicht genau wo du stehst oder was du denkst. Nicht weil du plötzlich verloren oder verkehrt in deinem Leben bist, nein! Einfach weil das Programm um dich herum ohne Punkt und Komma abläuft, jeder dir am Rockzipfel zieht, du als Mama und Frau der Dreh- und Angelpunkt vieler Menschen und Momente in diesen Tagen bist.

Es steht außer Frage, dass es ganz wundervoll ist, mitten im Leben zu stehen! Du spürst den Puls der Zeit, du bist unglaublich lebendig, Menschen ziehen an dir vorbei, du fängst Emotionen und Blicke ein. All dies verwebt sich zu jenem ganz persönlichen Teppich, auf dem du mit deinen Füßen Dichte, Reichtum und Intensität des von dir selbst Erfahrenen spüren kannst. Ein wahrer Schatz und unglaublicher Fundus!

Doch was wenn das Leben überbordet? Wenn es nebelig wird, du den Überblick verlierst, nicht mehr klar hast, wo du gerade stehst oder wie du dich gerade fühlst? Du merkst das daran, dass du fahrig wirst, die Gedanken zerstreut, du aufbrausend, ungeduldig oder eingeschnappt reagierst.

Denn in diesen unbehaglichen Momenten ertönt da dieses Stimmchen in dir, leise aber eindringlich, unmissverständlich. Es fragt dich wo du bist, wer du bist, ob du noch weißt was du tust, ob dein Weg wohl überlegt, gut ausgesucht ist.
Oder ob du im falschen Film gelandet bist.
Eine vollkommen legitime und intelligente Frage!
Du solltest den Mut haben, dem Stimmchen Gehör zu schenken, und du solltest dir die Mühe machen, die Fragen zu beantworten.

Wie kannst du das schaffen?
Wie kannst du es in diesem Wust, der unser Leben ist, schaffen, dir selbst immer wieder kleine Momente dein volles Gehör zu ermöglichen?
Wie kannst du Herrin der Lage bleiben, auch wenn der Alltag dich so fest packt, dass du kaum Zeit hast dir zu überlegen, was es zum Abendessen geben soll? (Ob ein Umweg zum Aldi nötig ist? Oder, ach, besser zum Alnatura? Glücklich mit low carb? Glücklicher vegan? Du beginnst, Nebenschauplätze aufzumachen.)

 

Ich hatte genau dazu vor einiger Zeit ein Schlüsselerlebnis.
Angenehmerweise traf es sich, dass ich dabei mit einem Glas Champagner in der coolsten und elegantesten Bar Stockholms saß: Eriks Gondolen.
Mit fantastischem Blick auf Hafen und Stadt aus über 30 Meter Höhe.

 

Champagner in Stockholm! und wie du den Kontakt zu dir selbst halten kannst

Champagner in Stockholm!

 

Der damals noch zukünftige Mann war dabei, und ebenso ein alter australischer Freund von ihm, Mike, ein fesches helles Köpfchen, ebenso lebensklug wie lebenshungrig.
Der Liebe zu einer Schwedin wegen von München nach Stockholm gezogen.

 

Champagner in Stockholm! und wie du den Kontakt zu dir selbst halten kannst

so swedish!

 

 

Wenige Minuten nach unserem Kennenlernen erklärte Mike mir formvollendet in der Stockholmer U-Bahn, dass er sich durchaus vorstellen könne, sich mit mir so richtig zu betrinken. Ah! Ich schluckte und interpretierte das als eine Art schwedisch-australische Version des Pferde-Stehlens.

Das Abenteuer nahm langsam Fahrt auf! Mit noch (damals fast) unbekanntem Mann in fremdem Land, dazu wilder Kumpel, doch irgendwie waren die mir wohlgesonnen. Abenteuer mit ein wenig Netz unter den Füßen. Prima!

Mike bugsierte uns in diesen Stockholmer Edel-Schuppen, in dem es für Unsummen von Schwedischen Kronen die unbestritten besten Cocktails gab, die wir je getrunken hatten.

Um mich herum sauste und brummte das Leben, die eleganten Menschen, die klirrenden Gläser, umwerfende Cocktails, der atemberaubende Blick über die Stockholmer Innenstadt aus der Höhe der Bar, das Schillern der Stadtbeleuchtung in den Stockholmer Hafenbecken. Dazu mischte sich das berauschende Gefühl einer jungen Liebe, das Aufregende des internationalen Parketts, der Freunde aus aller Welt. Gestandene Stockholmer, nordische Typen, Seefahrergesichter, echte Männer neben einer smarten Mischung aus Kalle Blomquist und jungem verwegenen Privatdetektiv im 50er-Jahre-style.
Die große weite Welt!
Und ich auf ihrem Schoß. Vollkommen surreal.

Meine natürliche Reaktion angesichts solcher Klasse-Szenarien ist eine Art Panik.
Ich verspüre das dringende Bedürfnis, irgendwie kurz allein sein zu müssen. Ich muss mich kurz fragen, ob ich selbst noch da bin! Ich muss mich fragen, wie ich das finde, wie ich mich fühle, ob alles in Ordnung ist oder ob ich irgendetwas brauche angesichts der schwindelnden Erlebnisse.

Doch wie kann das klappen? Wie kannst du es schaffen in diesem aufregenden Brausen Herrin der Lage zu bleiben? Herrin in deinem Leben, dich nicht zu verlieren?

Das ist so elementar wichtig um am folgenden Morgen nicht mit einem schalen Nachgeschmack, sozusagen emotional verkatert, aufzuwachen.
Um dich nicht fragen zu müssen ob du eigentlich dein Leben lebst oder dich der Strudel der Ereignisse bloß mitreißt.

 

Champagner in Stockholm! …und über den Kontakt zu dir selbst

mal eben kurz Zeit für dich!

 

Nun, die Kunst ist es, trotz allem Brummen und allem Flow einfach kurz auszusteigen.
Es braucht ein kurzes Abtauchen in dich selbst.
Du musst einmal kurz auf Autopilot schalten.
Dich in dir drin verstecken (und so tun als ob nichts wäre).
Das ist wie wenn im Film Musik ertönt und die Bilder sanft in den Hintergrund treten. Du blendest stilsicher und graduell die Bar, die Typen, die Musik und die elegante Unwirklichkeit um dich herum aus.

Was bleibt?
DU bleibst!
Du wirst eine kleine Insel von dir selbst, wie du da sitzt, aufrecht, auf deinem Barhocker, der Champagner vor dir.
Du bringst Distanz zwischen dich und das Geschehen. Du verschwindest kurz in dich selbst, lässt im Vordergrund das Übliche laufen, doch du bist nicht da! Du bist einfach kurz bei dir selbst. Du bist da und trotzdem weg.
Du lässt den Blick schweifen, fragst dich, wie du eigentlich da hingekommen bist, wie du in diese Lage gestolpert bist, wie es kommt dass du hier in dieser abgedrehten Situation Champagner trinkst.

Denn Champagner hast du nun bestellt, um deiner Lage Nachdruck zu verleihen, um dir selbst ein Zeichen zu geben.
Kein anderes Getränk verkörpert solche Eleganz und Reinheit, ein Gefühl von Quintessenz und Angekommen sein. Der Champagner feiert dich, er feiert Ankommen und Dasein im Leben.

Denn Ankommen in deinem Leben bedeutet, dass du bei dir selbst bleiben kannst. Dass du in die Vollen gehen kannst, dich uneingeschränkt hingeben, weil du genau weißt, dass du immer wieder zu dir selbst zurück findest.

Angekommen sein bei dir bedeutet, dass du es schaffst, Herrin der Lage zu bleiben. Dass du trotz allem immer wieder leicht und schnell nachschauen kannst, wo du stehst und wie es dir gerade geht.
Dass du es schaffst, im Tosen und im Alltag dich und somit dein Leben zu spüren. Im Heulen deiner Kinder erkennst, dass Liebe herrscht. Und dass sich das wahre Leben, wahre Nähe zu deinem Mann, auch zwischen Kartoffeln und Kinderstrümpfen abspielen darf.

Du gewinnst das Maximum an Gelassenheit und Souveränität – und damit die einzig wahre Coolness! – wenn du dir die Freiheit nimmst, bisweilen zu dir selbst zu verschwinden. Es muss ja niemand merken! Und wenn du dich nebenbei zum Champagner einladen lassen kannst – umso besser!

 

Wie du es schaffst Herrin der Lage zu bleiben

here I am.

 

PS: leider gilt auch hier: Übung macht den Meister! Aber es funktioniert!

Erst kommt die Pflicht:
Du musst dich kontinuierlich mehrmals am Tag einfach fragen wie es dir gerade geht, was du fühlst. Und du musst antworten!! Nicht wissen ist auch eine Antwort. Ist ok. Bitte weiterfragen!

Dann kommt die Kür!
Sowas wie Champagner in Stockholm, und niemand merkt dass du gerade mit dir selbst darauf anstößt, dass du kapiert hast wie du voll mitmischen kannst ohne dich selbst dabei zu verlieren!

Es gibt nichts Besseres als so zu leben. So machen sogar Tränen Spaß.

 

 

Was denkst du dazu? Immer in die Kommentare damit!

 

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4 Comments

  • Reply Gunda 4. Januar 2016 at 22:09

    Sehr schön und tiefgründig geschrieben, Anja! Viele liebe Grüße und herzliche Gratulation zu diesen Zeilen, den Mut und deine Zeit neben den Kids! Gunda

  • Reply Claudia 15. Januar 2016 at 22:09

    Wow, Anja, während ich diese Zeilen gelesen habe, habe ich für einen Augenblick die Welt und den Trubel um mich herum vergessen. Eine richtige Auszeit – danke dafür!

    • Reply anja@everydayinpink.com 16. Januar 2016 at 9:51

      Liebe Claudia, das freut mich wahnsinnig! Und was für ein wunderschönes Feedback! Danke! Wie schön, dass es so toll gepasst hat für dich!

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