Leben

Pfützen-Spaß! Take it easy! Wie dir alles leichter von der Hand geht

28. Januar 2016
sich einlassen auf den Augenblick! Pfützen-Spaß!

Vor einiger Zeit stapfte ich nachmittags mit den Kindern durch unseren süßen kleinen Park um die Ecke. Ich ahnte nichts vom Pfützen-Spaß, der mir bevorstand!

Wir waren auf dem Heimweg, und ich ging in Gedanken natürlich bereits durch, was an diesem Tag auf jeden Fall noch erledigt werden musste. Wie immer war es viel.

Ich trieb meinen Dreijährigen zur Eile an. Schließlich war das freie Zeitfenster, in dem ich meine Punkte abarbeiten konnte, eng bemessen: zwischen Ankunft zuhause und Abendprogramm.

Ich spürte meine latente Ungeduld und meinen Unwillen, mich auf das im Park zufrieden mäandernde Kind einzustellen.

Wie so oft in den letzten Jahren standen sich zwei fundamental gegensätzliche Formen des Seins gegenüber.

Auf der einen Seite ich, an rationales Denken gewöhnt, um strukturierte Abläufe bemüht, auf Optimierung getrimmt. Zeit ist Geld, wir haben es eilig, Vieles muss geschafft werden und Hindernisse sind höchst unerwünscht.

Wir wägen uns im Gefühl, unser Leben und unseren Alltag, und gerne auch uns selbst und den Augenblick, im Griff und unter Kontrolle zu haben.

Selbstbestimmt, modern und effizient. So sehen wir uns, und das sei normal und auch erwünscht, so gaukelt man uns vor. Auf diese Weise würden Leben in Schwung und Karrieren zum Erfolg gebracht.

Doch dann stolpert dein Kind in dieses wohltemperierte Konstrukt.

 

Pfützen-Spaß! Take it easy! Wie dir alles leichter von der Hand geht

Immer mit Schwung dabei!

 

Auf der anderen Seite also ein impulsives, ganz im Augenblick verankertes Kleinkind, jegliche Rationalität ignorierend.

Zu Beginn fühlst du dich erst einmal seltsam fremdbestimmt. Es ist ungewohnt, macht dich unsicher, oft ungeduldig oder auch wütend.

Hast du dich vorher redlich bemüht, immer alles schön im Griff zu haben, so ist jetzt im Leben endgültig der Zeitpunkt gekommen, sich die Wahrheit einzugestehen.

Die starre Kontrolle muss weg!

Eine Familie mit kleinen Kindern ist einfach nicht mehr kompatibel mit diesem ordentlichen aber unflexiblen System. Kinder und Alltag hauen dir deine sorgsam beschlossenen Konzepte einfach unbekümmert um die Ohren.

 

Pfützen-Spaß! Take it easy! Wie dir alles leichter von der Hand geht

…we are familiy…

 

Mich holte an diesem Tag die Realität in Form von Pfützen-Spaß ein.
Das Kind galoppierte vor Freude juchzend durch sämtliche auf dem Parkweg verteilten Pfützen, es waren viele und von beachtlicher Größe.

Natürlich war er binnen kürzester Zeit vollkommen nass.

Und mir dämmerte, dass ich unweigerlich heute noch eine sehr geraume Zeit damit beschäftigt sein würde, nasse Klamotten von klebriger Kinderhaut zu ziehen, selbige unter Protestgeschrei warm abzuduschen, Schuhe auszustopfen, Mützen auf Heizungen zu drapieren und den beachtlichen Anteil Parkboden in unserem Wohnungsflur aufzufegen.

Mein anfänglicher Protest und mein Bemühen, das Kind von der Pfütze fern zu halten wurden in der überschäumenden Lebensfreude des Dreijährigen nicht einmal wahrgenommen.
Und ehrlich gesagt: zum Glück!

Denn irgendwie kam ich zur Räson, besann mich auf das Wesentliche, und es gelang mir, die ganze gute deutsche Effizienz mal kurz in der Pfütze zu ertränken.

Was gibt es Schöneres, als dich von der geballten Lebenslust, der Energie und der Begeisterung deines kleinen Kindes mitreißen zu lassen?

 

Pfützen-Spaß! Take it easy! Wie dir alles leichter von der Hand geht

Bitte mehr Wasser!

 

Sein Übermut steckte selbst die Passanten an, sie ermunterten ihn freudig und bedachten mich mit wohlwollenden Blicken.

Interessanterweise machte ich im Nachhinein eine wunderbare Entdeckung:
Dieser Pfützen-Spaß hatte mir nicht einfach nur ein Mehr an Arbeit und ein Weniger an Zeit für meine zu erledigenden Dinge eingebracht.
Denn durch Loslassen, durch Einlassen auf den Augenblick und auf die Freude gewinnst du einen ganz anderen Zugang zu dir selbst und dem Leben.
Das ist, als wenn sich in dir etwas Hartes, Verkrampftes löst, als wenn der Funktionier-und-Automatik-Modus einmal abgeschaltet wird.

Stattdessen entsteht Raum, es entsteht ein Gefühl der Leichtigkeit und des Eins-Seins mit dem Augenblick.
Das beschert dir Energie und Dynamik, die dich wie von selbst dazu bringen, tiefer durchzuatmen, auf das Wesentliche zu blicken und gesammelt voranzuschreiten.

Plötzlich bist du einfach von einem vollkommen anderen Gefühl bewohnt!

Dass du die restlichen Aufgaben an diesem Tag noch schaffst, liegt nun nicht mehr daran, dass du dich missmutig antreibst.
Du schaffst sie, weil du Glück, Übermut, Freude, Energie und Liebe getankt hast. Und weil sie sich wie von selbst zu erledigen scheinen!

Du hast es geschafft, den inneren, kontrollierenden Saboteur der Freude in dir zum Verstummen zu bringen, du hast es geschafft, dich dem Moment hinzugeben, du hast es geschafft, deinem Kind nah zu sein und mit ihm einen wirklichen Gefühlsmoment zu teilen.

Das beflügelt dein Kind, das beflügelt dich selbst.

Erhitzt und mit roten Backen kamen wir zuhause an, es gab kein Protestgeschrei im Treppenhaus, stattdessen zufriedenes Spielen im Wohnzimmer. Ich merkte gar nicht, wie ich Pastinaken schälte, weil ich noch versonnen darüber sinnierte, dass vermeintliche Umwege manchmal einfach alles leichter, schöner und lebenswerter machten. Und sich mehr Arbeit als weniger entpuppt.

Am nächsten Morgen musste das Kind dann übrigens auf Strümpfen in den Kindergarten getragen werden.

Pfützen-Spaß dieses Ausmaßes hatte nämlich nicht auf meiner to-do-Liste gestanden.
Und die Stiefel zum Wechseln lagen in der Garderobe des Kindergartens.
Aber was soll’s.

Ziemlich nebensächlich.

 

Pfützen-Spaß! Take it easy! Wie dir alles leichter von der Hand geht

Wasser! Wie immer kein Halten. Und wie immer nass.

 

Ihr Lieben, wie sind eure Erfahrungen mit diesen Dingen?
Ich freue mich auf eure Kommentare!

…ach ja, und: hat dir das gefallen? Dann wäre es klasse wenn du es teilen könntest!

 

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6 Comments

  • Reply Kathrin 28. Januar 2016 at 19:11

    Vielleicht sollten wir Großen auch mal in die eine oder andere Pfütze hüpfen…

  • Reply Markus 24. Februar 2016 at 21:08

    Da fällt mir der, wie ich finde, wichtige Spruch ein, der unsere Verantwortung für die Kinder aufzeigt:
    „Dein Alltag ist ihre Kindheit!“

    • Reply anja@everydayinpink.com 24. Februar 2016 at 21:40

      Oh – das ist ein sehr schöner Spruch!! Und sehr weise.
      Sollte man sich unbedingt zu Herzen nehmen und das ein oder andere Mal die Prioritäten überdenken…
      Danke dafür!

  • Reply Olga Alicia benignos Acuna 5. April 2016 at 21:18

    Anja.que felicidad me da compartir tu experiencia con mis recuerdos . Tambien yo huyo de la rigidez que conlleva la disciplina necesaria basica, que con los anios se va incrementando;pero tambien y estoy de acuerdo contigo, salirse y permitirse gozar de otro concepto que la vida y aceptar que la vida es movimiento nos ayuda, nos reconforta y nos estimula Que como descubri los charcos ? fue en una giro de 180 grados que dio nuestras vidas infantiles y pasamos de infantes urbanos y ser ninios libres en el campo.en una poblacio pequenia en Veracruz. Todo me sorprendia, baniarse en el rio, del rancho Tanchacloco , con todos mis primos ,primas y tres perros que teniamos. O ver como las aguas terrenciales del tropico eran atrapadas en el algibe ( cisterna) que escurria por los techos, pero antes ,en traje de bannio los ninnios nos poniamos abajo del estrecho y fuerte conducto que recibia, por las esquinas, toda el agua de los techos Eran cascadas de agua con cascadas de carcajadas, con el calor tropical y la alegria de hacer lo impensable en la ciudad,en donde no me podia ,mojar, jugar, correr ,reirse fuerte, no hablarle a los mayores sino te preguntaban algo… Aqui era la vida y el torrente juntos ,la carcajada abierta y contagiosa ,los cabellos , que tapaban los jazmines del jardin; todo en un o; la naturaleza del agua que fluye,la alegria y la infancia en un solo instante ,que quedo plasmada para siempre en mi. Hoy gracias a ti lo recorde y tambien como entonces el recuerdo me hizo tomar distancia de la vida que aun sigo tratando de controlar y tambien digo , bien venido salirse de“ la rayita“ Gracias por compartir la escencia de tus emociones. Olga Alicia.

  • Reply Anja 6. April 2016 at 13:22

    Olga Alicia, miles de gracias por tus palabras lindísimas! Qué bonitos recuerdos, y qué bonita narración! Gracaias por compartir! Gracias por entender y estar tan presente en lo que vivimos y en lo que trato de compartir acá.
    Muchísimas gracias y muchos abrazos!

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